Die Schlagzeilen der letzten Wochen wurden beherrscht von zwei weltbewegenden Ereignissen: Der furchtbaren Katastrophe von Japan mit ihren nuklearen Folgen und der Umbruch in der ararbischen Welt, vor allem in Lybien. Diese beiden Ereignisse verbindet eines: Es wird uns aufgezeigt, wie schnell die Welt ins Wanken gerät, wenn ihr Grundlagen der Energieversorgung entzogen werden.
Einerseits kostet Diesel, ursprünglich ein minderwertiges Produkt der Erdölverarbeitung, aktuell an den heimischen Tankstellen bereits rund € 1,40, andererseits bricht im Angesicht der atomaren Folgekatastrophe in Japan vor allem in Europa eine Diskussion aus, wie der Energiebedarf ohne Atomkraftwerke abgedeckt werden soll. (Politisch) Korrekterweise schreit fast die ganz Welt auf, dass Gadaffi weg muss, dass Atomkraftwerke am Müllhaufen der Geschichte entsorgt werden müssen. Die wenigsten bedenken dabei, dass Erdöl aufgrund einer (gefühlten) Verknappung teuerer werden wird. Kaum einer beachtet, dass Europa ohne Atomkraftwerke seinen Energiebedarf nicht einmal mehr zu 50% decken kann. Atom und Fossile sind Grundpfeiler unserer Energieversorgung, unser ganzer gewohnter Alltag ist auf den aktuellen Energieverbrauch ausgelegt.
Es stellt sich dich die Frage, wieviel wir doch bereit sind, von alltäglichen Gewohnheiten im Sinne der Ethik für immer aufzugeben? Es ist klar, dass eine Welt ohne Atomstrom eine sicherere ist, und dass wir uns auf Dauer nicht von der immer teurer, weil knapper werdenden fossilen Energie abhängig machen können, scheint ohnehin klar zu sein. Aber wie sieht das dann aus, mit unseren kleinen, alltäglichen Bedürflichkeiten, für die wir Strom brauchen, der für die meisten zwar aus der Steckdose kommt, der vom Ursprung ausgehend aber doch komplexere Wege nehmen muss, um schließlich als Energieversorger in unserem PC, Plasma - TV, Heißluftherd, Mikrowelle oder was auch immer zu landen. Und dann müssen wir ja auch an die nächstgrößere Einheit denken, die Industrie, die sich der Maxime des stetigen Wachstums verschrieben hat. Aber stetiger Wachstums heißt auch steigende Produktion, heißt mehr Energiebrauch, heißt verlässliche Quellen finden. Sind wir bereit, unser Konsumverhalten zu ändern, dass die Industrie auch ihr Produktionsverhalten ändert, heißt senkt, heißt Energie spart, heißt, auch mit alternativen Energiequellen auskommt?
Wie sieht unsere hochtechnologisierte, energiebeladene Welt denn plötzlich aus, wenn wir nicht mehr in dem Ausmaß einkaufen wie bisher, wenn wir nicht mehr 24 Stunden Plasmabildschirme laufen lassen, wenn wir nicht mehr jede Ecke unseres Heims und unseres Garten zu einem kunstvollen Lichtspiel ausleuchten? Diese Liste der kleinen, aber sicheren Energiefresser, die sich, weltweit aufsummiert, in einem gigantischen Energiebündel wiederfinden, ließe sich sich beliebig und unendlich fortsetzen. Sind wir wirklich bereit, auf das alles, für unseren Alltag so liebgewordene, wenn auch unnötige und für das Leben absolut unwichtige, zu verzichten? Wenn ich mir anschaue, dass nicht einmal ein Dieselpreis von fast 20 Schilling oder 2,80 D-Mark (Für jene Leser, die noch die alten Größen brauchen) das Fahrverhalten der KFZ-Halter drosselt, bin ich fast sicher, dass es auch Aufrufe zum Energiesparen nichts anderes sein werden als heiße Luft. Solange wir nicht bereit sind, unsere alltäglichen Gewohnheiten zu ändern, das Haushalten mit Energie nach dem Florianiprinzip betreiben, solange wird Lybien und Japan nur ein temporärer Schock ohne Nachhaltigkeit bleiben, und der Schrecken wird aus den Gliedern fahren und wieder dem gemütlichen Alltag weichen. Dann wird uns auch wieder gleich sein, woher die Energie kommt, Hauptsache, sie fließt. Und solange wir auf diese, unsere Gewohnheiten nicht ernsthaft zu verzichten bereit sind, solange sind auf wir Energieträger und Techniken, die wir jetzt gerade verteufeln, angewiesen. Jeder fängt bei sich an, dann kann sich etwas ändern.
Carpe Vitam!