Mummy meint

Der freie Fall in die Dummheit

13. April 2011

Wärmen wir doch heute mal ein anderes, immer wieder kehrendes Thema auf: Die Zukunft unserer Kinder, die durch qualitätsvolle Bildung abgesichert werden sollte. Sämtliche PISA-Länder leiten oder leiteten nach schlechten Ergebnissen der letzten Jahre Veränderungen ein, und der Erfolg stellt sich langsam ein, wie man vor allem am Beispiel Deutschland sieht. Nur in Österreich, da werden Parteipolitik und ideologische Grabenkämpfe auf dem Rücken unserer Kinder ausgetragen, die Zukunft systematisch vermurkst. Alles im Namen der Partei, nicht der Republik und schon gar nicht der Zukunft. Lobbying ist heutzutage offensichtlich das Um & Auf, vor allem beim Juniorpartner auf der Regierungsbank. Und so werden für die Berufsgruppe der Lehrer Privilegien verteidigt, die eigentlich nur auf Unverständnis stoßen können. Modern und zeitgerecht ist unsere Schule schon lange nicht mehr, da kann man die schlechten PISA-Ergebnisse schönreden wie man will. Daher ist es auch nicht zu viel verlangt, wenn die Forderung nach einer ständigen Fortbildungspflicht für Lehrer erhoben wird. Zwei Wochen Weiterbildung werden bei zwölf Wochen Ferien wohl drinnen sein, bleiben immer noch zehn Wochen Freizeit, das ist doppelt so viel wie bei einem normalen Angestellten. 

Sollte es in den aktuellen Schuldebatten und Verhandlungen über ein neues Lehrerdienstrecht wirklich gelingen, zukunftsweisende Bildungsstätten (Konzepte gibt es genug) anstatt den Etikettenschwindel „Neue Mittelschule“ zu schaffen, den Lehrerberuf nicht nur attraktiver, sondern vor allem Qualität vor Privilegien einziehen zu lassen, dann ist Österreichs freier Fall in die Dummheit vorerst gestoppt. Aber bis zu einem Land mit Topbildung und einem Führungsanspruch für Forschung & Entwicklung ist dann immer noch weiter, aber leichter zu beschreitender Weg. 

Carpe Vitam

Wieviel ist uns Idealismus wert?

24. März 2011

Die Schlagzeilen der letzten Wochen wurden beherrscht von zwei weltbewegenden Ereignissen: Der furchtbaren Katastrophe von Japan mit ihren nuklearen Folgen und der Umbruch in der ararbischen Welt, vor allem in Lybien. Diese beiden Ereignisse verbindet eines: Es wird uns aufgezeigt, wie schnell die Welt ins Wanken gerät, wenn ihr Grundlagen der Energieversorgung entzogen werden.

Einerseits kostet Diesel, ursprünglich ein minderwertiges Produkt der Erdölverarbeitung, aktuell an den heimischen Tankstellen bereits rund € 1,40, andererseits bricht im Angesicht der atomaren Folgekatastrophe in Japan vor allem in Europa eine Diskussion aus, wie der Energiebedarf ohne Atomkraftwerke abgedeckt werden soll. (Politisch) Korrekterweise schreit fast die ganz Welt auf, dass Gadaffi weg muss, dass Atomkraftwerke am Müllhaufen der Geschichte entsorgt werden müssen. Die wenigsten bedenken dabei, dass Erdöl aufgrund einer (gefühlten) Verknappung teuerer werden wird. Kaum einer beachtet, dass Europa ohne Atomkraftwerke seinen Energiebedarf nicht einmal mehr zu 50% decken kann. Atom und Fossile sind Grundpfeiler unserer Energieversorgung, unser ganzer gewohnter Alltag ist auf den aktuellen Energieverbrauch ausgelegt.

Es stellt sich dich die Frage, wieviel wir doch bereit sind, von alltäglichen Gewohnheiten im Sinne der Ethik für immer aufzugeben? Es ist klar, dass eine Welt ohne Atomstrom eine sicherere ist, und dass wir uns auf Dauer nicht von der immer teurer, weil knapper werdenden fossilen Energie abhängig machen können, scheint ohnehin klar zu sein. Aber wie sieht das dann aus, mit unseren kleinen, alltäglichen Bedürflichkeiten, für die wir Strom brauchen, der für die meisten zwar aus der Steckdose kommt, der vom Ursprung ausgehend aber doch komplexere Wege nehmen muss, um schließlich als Energieversorger in unserem PC, Plasma - TV, Heißluftherd, Mikrowelle oder was auch immer zu landen. Und dann müssen wir ja auch an die nächstgrößere Einheit denken, die Industrie, die sich der Maxime des stetigen Wachstums verschrieben hat. Aber stetiger Wachstums heißt auch steigende Produktion, heißt mehr Energiebrauch, heißt verlässliche Quellen finden. Sind wir bereit, unser Konsumverhalten zu ändern, dass die Industrie auch ihr Produktionsverhalten ändert, heißt senkt, heißt Energie spart, heißt, auch mit alternativen Energiequellen auskommt?

Wie sieht unsere hochtechnologisierte, energiebeladene Welt denn plötzlich aus, wenn wir nicht mehr in dem Ausmaß einkaufen wie bisher, wenn wir nicht mehr 24 Stunden Plasmabildschirme laufen lassen, wenn wir nicht mehr jede Ecke unseres Heims und unseres Garten zu einem kunstvollen Lichtspiel ausleuchten? Diese Liste der kleinen, aber sicheren Energiefresser, die sich, weltweit aufsummiert, in einem gigantischen Energiebündel wiederfinden, ließe sich sich beliebig und unendlich fortsetzen. Sind wir wirklich bereit, auf das alles, für unseren Alltag so liebgewordene, wenn auch unnötige und für das Leben absolut unwichtige, zu verzichten? Wenn ich mir anschaue, dass nicht einmal ein Dieselpreis von fast 20 Schilling oder 2,80 D-Mark (Für jene Leser, die noch die alten Größen brauchen) das Fahrverhalten der KFZ-Halter drosselt, bin ich fast sicher, dass es auch Aufrufe zum Energiesparen nichts anderes sein werden als heiße Luft. Solange wir nicht bereit sind, unsere alltäglichen Gewohnheiten zu ändern, das Haushalten mit Energie nach dem Florianiprinzip betreiben, solange wird Lybien und Japan nur ein temporärer Schock ohne Nachhaltigkeit bleiben, und der Schrecken wird aus den Gliedern fahren und wieder dem gemütlichen Alltag weichen. Dann wird uns auch wieder gleich sein, woher die Energie kommt, Hauptsache, sie fließt. Und solange wir auf diese, unsere Gewohnheiten nicht ernsthaft zu verzichten bereit sind, solange sind auf wir Energieträger und Techniken, die wir jetzt gerade verteufeln, angewiesen. Jeder fängt bei sich an, dann kann sich etwas ändern.

Carpe Vitam!

Immer des Gschis mit der Quote

21. März 2011

In Bayern gibt es eine Redensart, wenn Frauen auf Männer den Eindruck machen, schwierig zu machen: “Gschis macha”!. Und ganz ehrlich, liebe, männliche Leidenskollegen, das “Gschis” mit der verpflichtenden Quote in Betrieben geht Euch doch genauso auf den Keks wie mir. Frauen können, dürfen, ja sollen sogar arbeiten, damit Sie nicht auf dumme Gedanken kommen oder gar am Ende ihre “fraulichen” Pflichten gegenüber uns Männer vergessen. Kinder kriegen, Kinder hüten, putzen & kochen und abends, nach einem sehr harten Arbeitstag, uns Männer versorgen. Um das zu erreichen, müssen wir den Frauen alle Voraussetzungen bieten.
Jetzt ist mir schon bewusst, dass ich mit diesem Ausspruch mir nicht gerade viele FreundeInnen geschaffen habe und ich mich mit diesen paar Zeilen so beliebt mache, dass Felix Magath noch eher Chancen hätte, Gelsenkirchner des Jahres zu werden. Aber das ist nicht meine Meinung, nein, diese Forderung wird ernsthaft von einer FRAUENORGANISATION, den ÖVP - Frauen Tirols, gestellt. Zumindest, wenn man ihrem Werbefilm Glauben schenkt, nachzusehen auf http://www.youtube.com/watch?v=oqENekUbAIg&feature=related. Meine lieben Damen, hat hier irgendjemand gedacht, und wenn ja (was ich stark bezweifle), was? Aber irgendwie passt der Film auch ins Bild, dass der Internationale Frauentag in diesem Jahr ausgerechnet auf den Faschingsdienstag gefallen ist.
Gerade zum Internationalen Frauentag wurde immer wieder eine Forderung aufgestellt: Die vielberühmte Quote! Nun frage ich mich, warum ein Zwang, und nichts anderes ist die Quote, zum gewünschten Erfolg führen soll. Alles, was hier angeregt wird, ist natürlicher Widerstand, das dringend notwendige Umdenken in der Gesellschaft wird nicht erreicht. Eine Frau ist doch nicht gleichberechtigt, nur weil sie aufgrund einer gesetzlichen Regelung bei einem Job einem Mann vorgezogen werden MUSS. Vielmehr sollte doch die Qualifikation der ausschlaggebende Grund sein. Dafür müssen die Grundlagen her, von Kinderbetreuungsplätzen bis hin zu Ganztagsschulen. In den skandinavischen Ländern oder auch in Frankreich ist durchaus normal, dass Kinder ab dem ersten Lebensjahr in einem Hort oder bei einer Tagesmutter betreut werden. Ich habe aber weder gehört, noch gelesen, dass in diesen Ländern ein gravierendes Problem der sozialen Verwahrlosung vorherrscht. Von den PISA-Ergebnissen ganz zu schweigen, da hängen die in die Betreuungsplätze abgeschobenen Kinder unsere an der „Mutterbrust genährten“ Zöglinge um Lichtjahre ab. Im Gegenteil, hier wird die Entscheidung der Frau, sich über den Beruf in die Gesellschaft einbringen zu wollen, vollends akzeptiert, genauso, wie auch Kindererziehung, egal ob als Betreuungsperson oder als Elternteil (Ich habe absichtlich die neutralen Bezeichnung verwendet, da auch die Männerkarrenz oder der Beruf des „Kindergartenonkel“ ein Teil der Gleichberechtigung ist, Anm.) als Dienst an der Gesellschaft vollends anerkannt wird.
Hier stellt sich aber auch die Frage an die Frauen, was sie eigentlich wollen. Wollen sie Hausfrau und Mutter sein, wollen sie Unternehmerin sein, wollen sie Karriere machen? Alles auf einmal geht nicht. Gerade die jüngste Diskussion um das Sorgerecht für Scheidungswaisen zeigt doch von Seite der Frauenorganisationen, dass sie nicht bereit sind, loszulassen. Automatisch soll das Sorgerecht der Mutter zugesprochen werden, ein Indiz dafür, dass offensichtlich viele Frauen zwar die berufliche Selbstverwirklichung suchen, ohne dafür die althergebrachten, typischen Frauenaufgaben aufzugeben. Von uns Männern wird der automatische Verzicht einfach verlangt (Zugegeben, die meisten Männer fordern auch nicht das Gegenteil.). Da frage ich mich: Wo bleibt denn meine Gleichberechtigung? Als Vater möchte ich nicht selbstverständlich meine Kinder aufgeben, nur weil die Partnerschaft nicht mehr funktioniert. Oder: Fragt mich eigentlich jemand, ob ich nicht lieber in der Karriere hintan stellen will, um meine Kinder zu erleben? Nein, und die meisten Frauen sind auch nicht bereit, das „Hoheitsgebiet Kinder“ zu verlassen und den Männern zu überlassen (Es gibt schon einige, die das zu übernehmen bereit wären.). Und hier spießt sich die Gleichberechtigung. Gleichberechtigung heißt nicht, dass Frauen mit aller Gewalt in Männerdomänen mit staatlicher Unterstützung gehievt werden, es heißt, dass, geschlechterunabhängig, gleiche Qualifikationen gleich behandelt werden und die Politik die gesellschaftlichen Voraussetzungen dafür schaffen muss. Es heißt aber auch, dass dies ein Weg der Entscheidungen ist, die ebenfalls geschlechterunabhängig von jedem Menschen getroffen werden können. Männer können sich zugunsten der Kinder gegen Karrieresprünge entscheiden, Frauen können sich für die Berufslaufbahn entscheiden, dafür müssen sie aber die klassische „Heimchen am Herd“ Mythologie endgültig entsorgen. Die Powerfrau, die einfach alles, aber auch alles unter einen Hut bringt, die gibt es nicht, und wenn, dann hält sie das nicht ewig durch, weil kein Mensch auf Dauer diese Doppelbelastungen ertragen kann. Verabschieden wir uns doch endlich von diesen blödsinnigen Gleichberechtigungsdiskussionen mit Quote und ähnlichem Schmarrn und wenden uns hin zu einer Denkweise, die vor dem Geschlecht den Menschen sieht, der sein Leben nach seinen Möglichkeiten, seinen Fähigkeit und seinen Ideen gestalten kann und soll.
Ich denke, wer mit Quote und Ähnlichem in die Diskussion einsteigt, oder wer Werbung für Frauenanliegen a la ÖVP Frauen Tirol machen will, der hat von den Anforderungen an eine gleichberechtigte Gesellschaft nichts verstanden.

Carpe Vitam!
 



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